In seiner Predigt stellte Cordemann den Segen in den Mittelpunkt. Er erinnerte an zwei fast 3000 Jahre alte Silberröllchen, die in einer Grabhöhle bei Jerusalem gefunden wurden und den Aaronitischen Segen tragen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.“
Es gebe Worte im Glauben, die sich auch nach Jahrtausenden nicht verbrauchten, sagte Cordemann. „Wenn mich meine eigenen Worte nicht mehr tragen können, dann schenken mir diese Worte eine Sprache.“ In ihnen seien das Sehnen und Hoffen, Lachen und Weinen von Generationen aufgehoben. Für ihn verkörpere sich Segen zugleich in der Geste der offenen, leeren Hand: Sie müsse nichts leisten und nichts festhalten, sondern könne empfangen.
Darin sah Cordemann eine wichtige Haltung für die Kirche heute. Mitgliederzahlen analysieren, Finanzprognosen erstellen, Gebäude und Stellen planen – all das sei notwendig. „Natürlich brauchen wir Strategien. Aber wir leben nicht aus Strategien. Wir brauchen gute Strukturen. Aber wir leben nicht aus Strukturen.“ Es gelte, verantwortlich zu gestalten und zugleich „die Hände zu öffnen für das Unerwartete“. Auch gesellschaftlich könne diese Haltung tragen: „Wer sich gesegnet weiß, muss den anderen nicht klein machen, um selbst groß zu sein.