Das Konzept „Jugend macht Gottesdienst“ klingt zunächst einfach: Jugendliche treffen sich von Freitag bis Sonntag und bereiten zusammen einen Gottesdienst vor – inhaltlich, musikalisch und organisatorisch. Am Ende wird dann gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Somit werden die Jugendlichen nicht „nur“ beteiligt, sondern gestalten wirklich selbst. Doch dieses Konzept verfolgt mehr Ziele als zunächst angenommen.
Das Wissen über Kirche, Glaube und Religion wird nicht mehr selbstverständlich tradiert. Kenntnisse über christliche Inhalte und Werte verschwimmen zunehmen in der pluralen Welt. „Jugend macht Gottesdienst“ möchte der Säkularisierung und dem Traditionsabbruch entgegenwirken, indem vielmehr Inhalte im Fokus stehen, als die eigentliche Gestaltung des Gottesdienstes. „Jugend macht Gottesdienst“ ist ein explizit theologisch ausgerichtetes Angebot, das auf die aktive Auseinandersetzung mit Perikopen (jeweiliger Predigttext oder Evangelium des Sonntags) abzielt. Dadurch setzen sich Jugendliche mit Themen auseinander, die für sie entweder deutlich alltagsrelevant sind oder bei denen eine Relevanz in ihrer Lebenswelt erst hinterfragt und dann reflektiert wird. Besonders alltagsferne Themen (z.B. Gnade, Sünde, Rechtfertigungslehre etc.) laden zum Theologisieren ein. Es geht um ein prozesshaftes, gemeinsames Nachdenken und Dialog auf Augenhöhe statt Belehrung – wohlgleich Bildung an dieser Stelle nebenbei passiert. Bei der Ausgestaltung des Gottesdienstes haben Jugendliche die Möglichkeit sowohl inhaltlich (Begrüßung, Anspiele, Predigt, Fürbittengebet und Segen schreiben), als auch kreativ (Video-Dreh, Theaterspielen, Basteln, Deko etc.) zu arbeiten. Vor der gemeinsamen Übernachtung im Gemeindehaus wird ein thematisch passender Film geguckt, der erneut zur Vertiefung des Themas dient. „Jugend macht Gottesdienst“ bietet darüber hinaus vielfältigen Lernraum bezüglich Verantwortungsübernahme, Teamarbeit, soziale Komponenten im Umgang miteinander, Organisation, Liturgie- und Medienkompetenz, Sprecherziehung, Stimmbildung und Rhetorik sowie Bühnenpräsenz und manchmal den Sprung über den eigenen Schatten.