Tora-Oratorium von Jean Goldenbaum im Oktober 2026

Nachricht Holzminden, 12. August 2026

Wie die Thomas-Gemeinde bereits verfolgen konnte, läuft das Projekt „Jüdisch-christliche Gemeinsamkeiten kennenlernen und feiern“ von Pastorin Andrea Maiwald und dem Komponisten und Musikwissenschaftler Dr. Jean Goldenbaum seit Jahresbeginn sehr erfolgreich. Bereits drei Workshops in der Thomaskirche sowie einer am Christophorus-Gymnasium in Braunschweig haben stattgefunden. Die nächste Veranstaltung ist ein ganztägiger Workshop am 19. September in der Reformierten Kirche in Göttingen. Weitere Workshops und Aktivitäten werden in Kürze bekanntgegeben.

Nun, im September, steht einer der Höhepunkte dieses wunderbaren Projekts bevor: die Uraufführung von Jean Goldenbaums Die Poetik Gottes – Ein Tora-Oratorium. In dieser Ausgabe wird der Komponist sein Werk und die Bedeutung des Genres Oratorium im religiösen Kontext erklären.

Dr. Goldenbaum, was genau ist eigentlich ein Oratorium?

JG: Das Oratorium ist eine musikalische Gattung, die ein groß angelegtes Werk (für Orchester, Chor und Solisten) mit religiösen Themen umfasst. Es entstand im 17. Jahrhundert, erlebte seine eigentliche Blütezeit jedoch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die beiden „Väter“ dieses Genres sind bekannte Komponisten: Bach und Händel – Ersterer mit seinen beiden großen Passionen (Johannes- und Matthäus-Passion) und dem Weihnachtsoratorium; und Letzterer mit Messias, Israel in Ägypten, Simson, Judas Makkabäus und anderen. Die frühen Oratorien stammen also aus der Barockzeit.

Wie entwickelte sich diese Geschichte nach Bach und Händel weiter?

JG: Nun, die nächsten beiden großen Namen in der Geschichte des Oratoriums sollten erst noch folgen: In der Zeit der Wiener Klassik, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, komponierte Haydn Die Rückkehr des Tobias und sein Meisterwerk Die Schöpfung. Und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – der Epoche der Romantik – schuf auch Mendelssohn zwei Werke: Paulus und sein eigenes Meisterwerk, Elias.

Es ist interessant, dass – gemessen an den Titeln der von Dir genannten Oratorien – die eine Hälfte auf dem Alten Testament (der jüdischen Bibel) und die andere auf dem Neuen Testament basiert.

JG: Ganz genau. Die Gattung des Oratoriums bietet hervorragendes Material für das Lernen der jüdisch-christlichen Liturgie. Schließlich ist das Judentum das Fundament des Christentums – und auch des Islam. Zusammen bilden diese drei die abrahamitischen Religionen.

Wie geht die Geschichte des Oratoriums weiter?

JG: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt es bedeutende Werke wie Berliozs Die Kindheit Christi und Elgars Der Traum des Gerontius. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Honeggers König David. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben wir Die Verklärung unseres Herrn Jesus Christus (Messiaen), die Lukas-Passion (Penderecki) und die Johannes-Passion (Pärt).

Und im 21. Jahrhundert Goldenbaums Die Poetik Gottes-Oratorium.

JG: Korrekt. Erwähnenswert ist, dass mein Oratorium das erste in der Geschichte ist, dessen Text ausschließlich der Tora (den fünf Büchern Mose des Alten Testaments) entnommen ist. Und ich betrachte es als mein Meisterwerk.

Was für eine Ehre, die Uraufführung in Holzminden auszurichten. Könntest Du etwas mehr über das Werk erzählen?

JG: Das Werk ist für Sinfonieorchester, Chor, Kinderchor, vier Gesangssolisten, eine Solo-Harfe und Erzähler. Und es gibt noch etwas sehr Interessantes: Ich habe das Schofar – das in der Tora beschriebene, antike Instrument aus einem tierischen Horn (in der Regel Widder oder Antilope) – in meine Komposition integriert. Dabei verbinde ich den archaischen Klang dieses Instruments mit meiner modernen, zeitgenössischen Musik. Das Libretto des Oratoriums – also das  „Drehbuch“ – habe ich selbst mit Originaltexten aus der Tora gestaltet. Ich habe einige der schönsten und bekanntesten Geschichten ausgewählt, wie den Traum Jakobs von den Engeln, die auf einer Himmelsleiter auf- und absteigen, und die Offenbarung Gottes gegenüber Mose im brennenden Dornbusch. Übrigens: Andrea und ihr Mann werden die Erzähler des Oratoriums sein.

Ein letztes Wort?

JG: Wir laden die Leserinnen und Leser herzlich zur Aufführung des Oratoriums am 03. Oktober in der Lutherkirche Holzminden oder am 4. Oktober in der Jacobikirche Göttingen ein. Tickets erhalten sie beim Stadtmarketing Holzminden, bei der Jacobikirche Göttingen und online bei Reservix.​ Wir leben in sehr schwierigen Zeiten für Kunst, Kultur und humanistische Initiativen wie die unsere. Allen die unsere Arbeit schätzen, sind wir für Ihre finanzielle Unterstützung sehr dankbar! Hier kann man spenden, um unser Projekt zu unterstützen: https://www.kirchenkreis-holzminden-bodenwerder.de/wir_fuer_sie/Events/Tora-Oratorium-2026 .

Vielen Dank und Schalom